Woquard Geschichte

                                          Geschichte Woquard                  


Ortsnamen:


                      Urkundlich erwähnt wird der Ort erstmals als Uuahcuurd  im 10-11.  

Jahrhundert. ( Heberegister Abtei Werden / Ruhr ).

Auch die Ortsbezeichnungen Wachwert, ( 1362 ), Wocwerde (1479 ), Woquart (1579),Wachwerdia ( 1600 ) und Weekwert sind nachweislich

bekannt.

Ab 1719 festigte sich die heutige Schreibweise des Ortes Woquard.

Der Name ist sprachlich zweigeteilt. Der erste Teil ist auf  

"wach/ wag " ( Wand ) und der zweite Teil auf " werth "  (Warft / Insel ) zurückzuführen. Somit  ist von einer befestigten ( Stützbestigung, Wandgestützt ) inselartigen Warft am Rande der alten Sielmönkener Bucht auszugehen.

( Quelle: Haefs H.  Ostfriesland, Zur Geschichte politischer Entwicklungen, S.393

u.http://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/HOO/HOO_Woquard.pdf )


Lage / Beispiele Flurnamen:


Damals hatte Woquard noch einen offenen Zugang zum 

Meer ( um 1000 ).  Ab dem 13. Jahrhundert war aber

die Sielmökener Bucht bereits versandet und teilweise eingedeicht.

Sturmfluten veränderten jedoch immer wieder das zum Teil eingedeichte

Land.

 

 

Die Bucht von Sielmönken ( alter Meereseinbruch ).

( Quelle: Medienzentrum Norden, Landkreis Aurich. Erworbene Aufnahme zur privaten Nutzung.              Nachdruck verboten. Urheber-und Kennzeichenrecht beachten ).


 Auch einige alte Flurnamen sind bereits seit dem Mittelalter nachweislich

dokumentiert: Tjarksweg ( 1492 Tyastings Wech ), Escherweg ( 1497 Wach-

westere Eskewey ), Oldemaar ( 1454 Olde Maer ).

Die Maar ( Oldemaar ) war ein angelegter Kanal ( auch Tief genannt ), der Woquard

nach Süden hin an das " Krummhörner Kanalnetz " verband. Nahezu alle Dörfer

der Krummhörn waren mit kleinen Binnenschiffen über den Wasserweg erreichbar. Gut sichbar erhalten ist die Anlegestelle im beachbarten Groothusen.

Diese Wasserwege waren wichtige Handelstraßen. Emden war der zentrale

Handelspunkt für die Krummhörn. Von dort gelangte u.a. Torf als Brennstoff

in die Dörfer; Getreide und andere landwirtschaftliche Produkte gelangten

wiederum vom Land in die Stadt.



Das Einwohnerverzeichnis von 1719 benennt 6 Herde ( Bauernhöfe ).1 Herdbesitz

( Hof ) ist verpachtet, ein anderer Herdbesitz ist durch die Sturmflut von 1717 nicht mehr bewohnbar. Das Verzeichnis listet zudem 15 Tagelöhner und ein Handwerker

auf. 20 Häuser werden 1735 verzeichnet und 1824 hatte Woquard 124 Einwohner.

 

 

 

Siedlungstypus:


 Woquard ist ein typisches Warfenrunddorf, ebenso wie Rysum, Campen, Upleward und auch Manslagt, wo die Kirche den Mittelpunkt einnimmt. Groothusen,

Eilsum, Hamswehrum und auch Pilsum sind eher länglich-rund geprägt. Dort ist das Gotteshaus nicht immer das Zentrum des Ortes.                                                                                             Die Langwarfsiedlungen , Groothusen ist in diesem Zusammenhang das beste Beispiel, waren ehemalige Handelsorte. Die Langseiten der Warf dienten

als Anlegeplatz für kleinere Frachtschiffe. 

 

 Das Wappen von Woquard:



 

 

 

 

 Deutlich im Zentrum steht der Löwe, das Wappentier der Häuptlingsfamilie der Manninga. Die Lilie links verweist auf das Herrschaftsgeschlecht der Cirksena,

sie erwarben Pewsum und dazugehörig auch Woquard.                                                         Der Stern könnte in  Verbindung mit dem alten Norderwappenemblem stehen.

Besonders aber die  Farben blau und gelb weisen auf das schwedische Königshaus hin.

Katharina, die schwedische Prinzessin war mit Edzard II Cirksena verheiratet

 und residierte zeitweise in Pewsum auf der Burg. 

 Mit einer sogenannte Morgengabe war sie in Besitz der Herrlichkeiten

gelangt. Das Speichenrad hat keine geschichtspolitische Bedeutung. Das Rad symbolisiert das kreisförmige Dorf mit den Straßenverläufen zur Mitte hin.

" Wokert is en Rad " ist eine altüberlieferte Redensart.


Besonderheiten / Geschichten :

Am 9. Juni 1556 hat es in Pewsum und Woquard Blut geregnet. Viele Leinentücher

die draußen auf der Bleiche lagen, beweisen das. Das Blut war nicht wieder zu entfernen.

( Quelle: Bennenga Eggerik,Chronyk of historie van Friesland )

 

 

 

 

....ein großer Landbesitzer ( Bauer) aus Woquard bezahlte für zwei junge Pferde 10.000 Mark und für zwei kleine Fohlen 1200 Mark.

(Quelle: Godsdienstig staatskundig dagblad, 07.07.1917 )



Schulgeschichte:


1601 wird erstmals eine Schule in Woquard erwähnt. Die luth. Kirche, die für

das Schulwesen verantwortlich  war, kaufte gegenüber dem Pfarrgebäude eine

Lehrerwohnung. 1604 wurde das Gebäude dann neu errichtet. Bis ins 20.

Jahrhundert war die Schule in Woquard eigenständig.


Burg in Woquard:


Überlieferungen verweisen auf eine Burganlage, westlich der Kirche, aus

dem 15. Jahrhundert.

Hierfür gibt es keine urkundlichen Bestätigungen.

Eine nachegedruckte Amtsbeschreibung von Pewsum aus dem Jahr 1735

( Nachdruck 1852 ) vermerkt, dass es eine Burg in Woquard gegeben haben soll.

Davon " ist aber keine Spur mehr zu entdecken " so der zitierte Vermerk der

Amtsbeschreibung.

(Quelle : Die Familien des ehemaligen Amtes Pewsum und deren Nachkommen aus den Kirchengemeinden

Pewsum, Woquard,Loquard und Campen. Band II Woquard 1683 - 1938 Hrsg.: Folkert Köster, Aurich

2005,Seite 15 in .Historische Familienbücher in Ostfriesland auf der Grundlage von Kirchenbüchern und anderen Quellen)


 


Geschichtspolitische Entwicklungen:


Seit Ende des 15. Jahrhunderts ist Woquard in Besitz der Pewsumer Häuplingsfamilie Manninga. Somit war Woquard Teil der Herrlichlkeit

Pewsum-Woquard. Eine Urkunde von 1491 nennt  erstmalig den Häuptling

von Pewsum, Edzard Manninga, auch Herr von Woquard. Nach dem Tod von Edzard

Manninga 1504 kam der Herrlichkeitsbesitz an seinen Sohn Poppo Manninga.

Dann erfolgte die Weitergabe an dem Sohn von Poppo Manninga, Haiko Manninga.

Haiko Manninga war der letzte Regent im Häuplingsgeschlecht der Manninga.

1564 verkaufte Haiko Manninga ( und Victor Freese : Herrlichkeit Loquard und Campen) den kompletten Herrlichkeitsbesitz an das ostfriesische Grafenhaus Cirksena. Gräfin Catharina, die schwedische Königstochter aus dem Haus Wasa und Ehefrau von Graf Edzard, residierte auf Burg Pewsum und übte konsequent ihr Regierungsmonopol aus.


Nach dem Tod von Catharina, 1610, wurde aus dem Herrlichkeitsbesitz das Amt

Pewsum gebildet. Später ,1737,erfolgte dann die Vereinigung der Ämter Pewsum

und Greetsiel.

Diese Ämter waren gräfliche Verwaltungsbezirke.

Bekanntlich endete 1744 das gräfliche Ostfriesland mit dem Tod des letzten

Cirksena und Ostfriesland wurden preußische Provinz ( 23.06.1744 ).

Unter Herrschaft des Königreiches Hannover, 1816, wurde das königliche Amt

Greetsiel ( 1817 ) wieder hergestellt. Es umfasste die Amtsvogteien Pewsum, Greetsiel

und die Insel Borkum. 6676 Einwohner hatte dieses Amt 1823.

Das Amt Greetsiel hatte nun seinen Dienstsitz in Pewsum (1822).

 Vom Amt Emden wurde Canum jetzt neu mit eingegliedert;

auch Jennelt gehörte nun zum Amtsbereich Greetsiel, mit Sitz in Pewsum.

1859, nach der Aufhebung der Ämter, kam Woquard zum Amt Emden, welches

später den Landkreis Emden bildete.

Ostfriesland war ab 1866 "wieder " Teil der preußischen Provinz Hannover.

 Ab 1932  war die Krummhörn eingegliedert in den Landkreis Norden.

 Die Auflösung des Landkreises Norden im Rahmen der

niedersächsischen Kreisreform erfolge am 01.08.1977. Somit wurde auch die

Krummhörn Teil des Landkreises Aurich.

(Quelle: Korte, Wilhelm: Aus der Geschichte des Amtes Pewsum, in Heim u. H. 3.7.64, Beilage Ostfr. Kurier, Ostfriesische Landschaft )


 

 ( Quellen: Ostfriesische Landschaft: Beilage, Ostfriesischer Kurier, alle Jahrgänge )( Emder Jahrbücher der " Kunst " )

Schmidt Heinrich: Politische Geschichte Ostfrieslands, Band V , Ostfriesland im Schutz des Deiches, Leer 1975 )