Kirchengeschichte / Kirche aktuell

                   

 

 

 


                          Glockengeläut in Woquard. Einblick im Innenraum des Turms.

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                                http://    https://www.youtube.com/watch?v=873_PadjDCc

 

                                                                                                               


 Kirchengeschichte


Woquard war noch im 15.Jahrhundert Teil des alten

kath. Bistums Münster. Das Bistum gliederte sich  

in Send-oder auch Propstei-Bezirke. Woquard war

der Propsteikirche in Groothusen unterstellt.

1362 wird in Woquard erstmals eine Kirche  und ein Geistlicher erwähnt.

Die Kirche stand dort, wo auch die 1789 erbaute " neue " Kirche errichtet

wurde. Getrennt von der Kirche stand an der Nordseite der freistehende

Glockenturm.

In  Zeitalter der Reformation übte die reformierte

Stadt Emden Einfluss auf das Umland aus. So wurden

verstärkt reformierte Prediger eingesetzt. Auch in   

Woquard waren zunächst reformierte Geistliche tätig.  

Erster evangelischer Prediger nach der Reformation war  

Pastor Dirius, der zwischen 1544 und 1560 namentlich und urkundlich

in Emden erwähnt wird. Sein Nachfolger wird Adolph Empenius, der  

aber 1578 wegen seines reformierten Glaubens von Graf Edzard II

abgesetzt wird und dann eine Vakanz in Geerdsweer annimmt. 

Ende des 1600 Jahrhunderts  geriet auch der damals in Woquard eingesetzte lutherische  Pastor Luverdus Holthusius in Bedrängnis durch den Druck aus Emden. 

Starke Gegensätze zwischen dem lutherischen   

Grafenhaus der Cirksena und der reformierten Stadt Emden

bestimmten den kirchlichen Alltag.   

Haiko Manninga verkaufte 1564 die Herrlichkeit Pewsum

an den ostfriesischen Grafen Edzard II, zudem auch  

Woquard gehörte. Die Frau von Edzard Cirksena, die schwedische Königstochter Katharina, war streng lutherisch erzogen und übte konsequent ihren lutherischen   

Einfluss aus. Somit wurden die Pewsumer Herrlichkeits-

Besitztümer - Pewsum und Woquard, aber auch Campen und Loquard,

lutherisch.  Nur in Campen bliebt die lutherische Konfession

nicht dauerhaft erhalten.  

Auch hat der Woquarder luth. Pastor  Bernhard Bloccius am  25. 11.1579 an den Unionsverhandlungen zur Beilegung der innerkonfessionellen Spannungen zwischen Lutheranern und Reformierten in Berum-Burg teilgenommen. Graf Edzard II hatte zu diesen Treffen eingeladen, um mehr lutherischen Einfluss zu erlangen.  Selbst der Vorsprecher der Reformierten, der Emder ref. Prediger Menso Alting, war anwesend. 

Aber der kirchenpolitische Status Quo blieb zunächst bestehen.

Bis 1931 hatte Woquard immer eigene Pastoren, dann erfolgte die Mitbetreuung

durch den luth. Pastor aus Pewsum. Die kirchliche Eigenständigkeit wurde aber

beibehalten.

(Quelle: Smid, Menno; Ostfriesische Kirchengeschichte, Pewsum 1974 )


Kirchenbesitz:


Stark ausgepägt in der Krummhörn und in Ostfriesland allgemein ist der

ländliche Kirchenbesitz.

1671 besuchte der Generalsuperintendent aus Aurich die Kirchengemeinde

Woquard. Pastor Hermann Dringenberg war damals Geistlicher in Woquard.

Der Kirchenbesitz umfasste in Woquard u.a. 54 Grasen ( Einheiten ).Diese Grasen

sind als Flurstücke namentlich benannt. So werden die Flurstücke "lütke veer" mit

4 Grasen und das Flurstück" lange twee" mit 2 Grasen genannt.

Pastor Dringenberg hatte einen Großteil der Flächen an Interessenten verpachtet.

So auch an Bürgermeister Hinrikus Harberts, der 17 Grasen gepachtet hatte.

Alle 8 Jahre bezog die Kirchengemeinde Woquard von 62 Grasen verpachteten

Flächen eine Meldegeld von 131Gulden.

 

 

 

 

Grafik: Anteil der " Schullanden/Grasen" ( ohne Kirchenland ) 1717.


( Quelle: Korte, Wilhelm: Fette Krummhörner Pfarrstellen der Fürstenzeit in: Heim u. H- 3.7.66, Beilage

Ostfr. Kurier.   Ostfriesische Landschaft, Aurich )


Glockengeschichte:


"In dem Thurme hängt eine Glocke mit der Jahreszahl 1588.Von den Geistlichen, die hier vor der Reformation gestanden haben, ist uns ein „dominus Abboecclesie curetus in Wachwert“ bekannt, dessen Siegel an einer Urkunde vom 12. Juni 1362 hängt" 

(Anmk. der Red. : Zitat aus der Ortschronik Woquard ,Ostfriesiche Landschaft )


Erstmals wird mit diesem Siegeldatum von 1362 kirchliche Aktivität in Woquard

bestätigt.


Diese Jahreszahl bezieht sich aber nicht auf die heutige Glocke im Turm vom

Woquard.  Die heutige Glocke von Woquard hat keine Inschrift.

1588 ist die oben erwähnte zweite kleinere Glocke umgegossen worden, die einen Riss hatte und dann 1724 zum Verkauf stand.

Die jetzt im Turm befindliche erste Glocke wurde vor 1280 (1250 ) gegossen und ist wohl die älteste Glocke in Ostfriesland.

.Glockenton ( Disposition ´f ) . Die Glocke ist in ein gerades und  

nicht gekröpftes Joch gefasst.   


Kirchenneubau:

Die heutige  Kirche wurde 1789 ( 1790 )neu errichtet. Der Vorgängerbau war eingestürzt.  

Erst 75 Jahre später wurde der Kirchturm hinzugefügt; finanzielle Gründe sind hier mit ausschlaggebend.

In der 2. Hälfte des 18. Jh. ist eine starke kirchliche Bautätigkeit festzustellen.

Der prosperierende preußische Staat hatte hier den Möglichkeitsrahmen vorgegeben.

So entstanden neue Kirchengemeinden ( z.B. Landschaftspolder, Carolinensiel )

und vor allem wurden baufällige Kichen renoviert oder gänzlich neu errichtet.

Im kirchengeschichtichen Kontext ist so auch der Kirchenneubau in Woquard entstanden.


Die Mittel für den Kirchenbau mussten die Gemeinden selber tragen. Nur in ganz

begrenzten Ausnahmen waren Kolleksammlungen im In-u. Ausland für das

Baumaterial und die Baukosten möglich. Somit ist auch zu erklären das der Turmanbau in Woquard erst 75 Jahre später erfolgte.


Das Kirchenwesen, das Schul-u.Armenwesen wurde im preußischen Staat zunächst

ausschließlich durch die Kirchengemeinden und deren Gliederungen finanziert

und organisiert.

Die Kirche von Woquard wurde 1789 unter der Regie des Bauleiters Frantzius als schlichter Backsteinbau errichtet.

Östlich schließt die Kirche apsisförmig mit einem Halbrund ab. Der sakrale

Saalbau hat rundbogige Fenster und ein Satteldach.

Ein neugotischer Kirchturm wird 1865 an das Kirchenschiff, westlich, angegliedert.

Somit wird in diesem Fall die alte Tradition des freistehenden Glockenturms nicht

fortgeführt.  Auch in Bagband ist ein vergleichbarer neugotischer Kirchturm, auch

hier angegliedert an das Gotteshaus, zeitgleich errichtet worden.


Der Innenraum der Saalkirche unterscheidet sich von den anderen luth. und

ref. Kirchen in der Krummhörn.  Durch den " späten"  Kirchenneubau ist auch der

damalige zeitgenössische Einfluss deutlich erkennbar. Der aus dem Spätbarock entwickelte Rokoko ist auch in der Woquarder Marienkirche abgeschwächt erkennbar.

Insgesamt zeichnet sich der Innenraum dadurch aus, dass weiße Farbtöne

einen feierlichen- herrschaftlichen Gesamteindruck hinterlassen.

 

 

 

 

Daten zur Orgel:
Disposition:
(9 / I/angeh. Ped)

Manual

Principal 8' o
Bordun 8' o
Principal (P) 4' o
Rorflöte 4' o
Nassat 3' o
Octava 2' o
Mixtur IV-V o
Trompet B/D 8' o
Foxhomane 8' +

Pfeifenwerk:

o = Hinrich Just Müller (1804)
+ = Karl Puchar (1939)
r = Bartelt Immer (2005/06)

Manualumfang: C - f'''
Pedal (angehängt): C - f'

Tremulant o
Sperrventil
Keilbalganlage r

Winddruck: 70 mm/WS
Tonhöhe: 452 Hz knapp ½ Ton über normal
Stimmung: wohltemperiert (nach Bach, Titel zum Wohltemperierten Clavier)

( Quelle: http://www.nomine.net/woquard-marien-kirche )

Hier finden Sie weitere Informationen über die Orgel  in der Woquarder Kirche:

  http://www.nomine.net/woquard-marien-kirche

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Thesenanschlag am 31.10.2017 in Woquard. Die Wünsche der Kinder vom Kindergarten Marienkäfer  in Woquard.



 Sommerkirche: Gottesdienst am 9.Juli 2017 in Woquard


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Kirchturmrestaurierung 1992



 

 

 

 Bildquellen: Zur Verfügung gestelltes Bildmaterial von Bewohnern der Ortschaft

Woquard.

 

 

 

 

 


Quelle: OZ, Teil Emden-Norden, 03.07.2018 ( Kellergrab in Woquard )

 


 

 

 

 

  Information der Sterbekasse Woquard von 1957